Als Azubi ins Ausland

Als Azubi ins Ausland

Definition Als Azubi ins Ausland

Ein Auslandsaufenthalt während der Ausbildung? – Na klar! Immer mehr Azubis wagen den Schritt in die Ferne und absolvieren einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland. Der beliebteste Weg ins Ausland führt als Azubi dabei über ein Auslandspraktikum, das grundsätzlich weltweit möglich ist.

Voraussetzungen und Rahmenbedingungen

Maximal ein Viertel der Ausbildung kann ein Azubi im Ausland verbringen. Auslandsaufenthalte können als Teil der Ausbildung anerkannt werden, wenn ausbildungsrelevante Lerninhalte behandelt werden.

  • Hinsichtlich des Alters oder der schulischen bzw. betrieblichen Leistungen gibt es keine Einschränkungen. Grundkenntnisse der jeweiligen Landessprache sind jedoch meist Voraussetzung.
  • Ein Auslandsaufenthalt während der Ausbildung setzt die Zustimmung des deutschen Ausbildungsbetriebs voraus und muss als „Ausbildungsmaßnahme außerhalb der Ausbildungsstätte“ in den Ausbildungsvertrag aufgenommen werden.
  • Auch die Berufsschule muss ihre Zustimmung für den Auslandsaufenthalt geben und den Azubi offiziell beurlauben. Für einen Zeitraum von bis zu drei Wochen kann die Berufsschule vom Unterricht freistellen. Den versäumten Lernstoff muss der/die Auszubildende selbstständig nachholen.
  • Eine längere Beurlaubung bzw. Freistellung bis zur Höchstdauer von neun Monaten erfolgt in gemeinsamer Abstimmung zwischen Berufsschule, Betrieb und Handwerks- oder Industrie- und Handelskammer, damit das Auslandspraktikum an die Berufsausbildung angerechnet werden kann.

Das duale System der praktischen Ausbildung im Betrieb und dem Unterricht in der Berufsschule, so wie es in Deutschland weit verbreitet ist, gibt es in den meisten Ländern nicht. Dadurch lassen sich Ausbildungen schwer vergleichen und der Auslandsaufenthalt nicht immer leicht mit der deutschen Ausbildung abstimmen. Aus diesem Grund entscheiden sich die meisten Azubis für kürzere Auslandsaufenthalte von bis zu sechs Wochen.

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Finanzierung

Da der Auslandsaufenthalt Bestandteil der Berufsausbildung ist, muss der Ausbildungsbetrieb die Ausbildungsvergütung weiter zahlen. Alle mit dem Auslandsaufenthalt verbundenen Kosten für An- und Abreise, Unterkunft und Verpflegung vor Ort sowie für persönliche Ausgaben tragen Azubis selbst. Es besteht die Möglichkeit, über verschiedene Förderprogramme finanzielle Zuschüsse zu erhalten, die anfallende Kosten zum Teil oder komplett decken.

Mögliche Programme und Förderungen

Es gibt verschiedene Agenturen und Austauschorganisationen, die Praktikaprogramme im Ausland anbieten. Gegen Gebühr vermitteln die Organisationen Praktikumsplätze in verschiedenen Ländern und Branchen und sind oft auch bei der Suche nach einer Unterkunft behilflich. Ein Sprachkurs ist in vielen Fällen auch (optionaler) Bestandteil des Programms.

Erasmus+

Alternativ dazu gibt es verschiedene geförderte Programme. Praktika im europäischen Ausland für Azubis fördert die EU im Rahmen des Programms Erasmus+. Hier sind beispielsweise Gruppenprogramme für Berufsschulklassen möglich. Dafür müssen sowohl Berufsschule als auch Ausbildungsbetrieb aktiv werden und die Förderung für ein Austauschprogramm beantragen. Es empfiehlt sich daher, Ausbilder:innen und Berufsschullehrer:innen nach möglichen Auslandsprogrammen zu fragen, denn Auslandsaufenthalte für Azubis werden meist von den Bildungseinrichtungen organisiert.

Alternativ dazu können Auszubildende sich individuell bei verschiedenen Organisationen für ein sogenanntes „Pool-Projekt“ im Rahmen von Erasmus+ bewerben, insbesondere wenn sie beispielsweise ein bestimmtes Land bevorzugen oder ihre Berufsschule und Ausbildungsbetrieb keine Programme durchführen. Diese Pool-Projekte stehen Azubis aus ganz Deutschland offen. Damit können sie als Einzelpersonen an geförderten Programmen teilnehmen und einen Auslandsaufenthalt während der Ausbildung absolvieren. Auf der Website der Nationalen Agentur gibt es mit der Pool-Projektsuche die Möglichkeit, gezielt nach passenden Angeboten zu suchen.

Ausbildung weltweit

Außerhalb von Europa können Auslandspraktika während der Berufsausbildung auch über das Pilotprojekt AusbildungWeltweit gefördert werden. Das 2017 neu eingerichtete Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) fördert weltweite, praxisorientierte Auslandsaufenthalte während der Ausbildung. Es ermöglicht Azubis eine dreiwöchige bis dreimonatige Lernphase im Ausland.

PPP

Daneben bietet das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP), ein Austauschprogramm zwischen dem US-Kongress und dem Deutschen Bundestag, Azubis und jungen Berufstätigen die Chance auf ein Stipendium, um für ein Jahr als Praktikant in die USA zu gehen.

Eine Reihe weiterer Fördermöglichkeiten für Auslandspraktika und Stipendien für Azubis werden im Handbuch Weltentdecker beschrieben.

Wer kann mich beraten?

Für Beratungen rund um Auslandsaufenthalte während der Ausbildung und mögliche finanzielle Zuschüsse steht mit dem Infoportal „Berufsbildung ohne Grenzen“ ein bundesweites Beraternetzwerk der Handwerks- und Industrie- und Handelskammern (IHK) zur Verfügung. Geschulte Berater:innen informieren Azubis sowohl zu Fördermöglichkeiten als auch zu Gruppenprojekten und beantworten alle wichtigen Fragen zur Planung des Auslandsaufenthalts während der Ausbildung. Auch Berufsschulen können sich über die verschiedenen Fördermöglichkeiten für Auslandsaufenthalte informieren.

Wer für die komplette berufliche Ausbildung ins Ausland gehen möchte, kann sich an die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit wenden.

Und nach der Ausbildung?

Nach dem Abschluss der Berufsausbildung stehen viele weitere spannende Wege ins Ausland offen. In vielen Fällen kann die erworbene Qualifikation dabei sehr gut eingesetzt werden:

  • Work & Travel und Jobs im Ausland: Mit abgeschlossener Ausbildung im Gepäck, z.B. im handwerklichen oder technischen Berufen, in der Hotellerie oder Gastronomie, haben Ausgelernte im Ausland einen großen Vorteil gegenüber Backpackern und Jobbern ohne Qualifikation.
  • Freiwilligenarbeit: Bei einem Freiwilligendienst können Ausgelernte ihre Fähigkeiten für einen guten Zweck einsetzen und praktische Erfahrungen im Ausland sammeln. Auch bei geförderten Freiwilligendiensten wie weltwärts, dem IJFD oder EFD haben junge Leute mit abgeschlossener Ausbildung gute Chancen.
  • Au-Pair: Ausgebildete Erzieher, Kinder- oder Familienpfleger, Gesundheits- oder Kinderkrankenpfleger, Sozialpädagogische Assistenten, Hebammen und andere Absolvent:innen aus dem pflegerischen und pädagogischen Bereich können als Au-Pair Professionals bei der Kinderbetreuung in einer Gastfamilie Berufserfahrungen sammeln und Geld verdienen.

Der Ratgeber zu Auslandsaufenthalten und Gap-Year-Programmen

Einen umfassenden Überblick und hilfreiche Tipps zu allen Auslandsaufenthalten, insbesondere über die unterschiedlichen Programmvarianten, Teilnahmevoraussetzungen, Preise und Leistungen bietet das Handbuch Weltentdecker.

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